05.07.2016

Zur Geschichte des Bahnhofs Sangerhausen

Bau

Erfahren Sie Details zur Geschichte des Sangerhäuser Bahnhofs

1. sangerhäuser Bahnhofsgebäude um 1920

Bahnhofsneubau um 1965

Gemeinsam mit einer Teilnehmerin der "heimatgeschichtlichen Tagung zu den Jubiläen am Bahnhof" enthüllt Bernd Schneeberg, Abteilungsleiter Technik der SWG, die Gedenktafel.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, es waren die Jahre der Industrialisierung, beeinflussten sich auch in Sangerhausen die Entwicklungen der Stadt und der Industrie sowie die Anlage der Eisenbahnstrecken gegenseitig und standen damit in engem Zusammenhang zueinander.

Am 10. Juli 1866 erfolgte die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Halle-Nordhausen. In diesem Zusammenhang wurde das neuerrichtete (alte) Bahnhofsgebäude in Sangerhausen übergeben. 

Im 2. Weltkrieg blieb auch Sangerhausen, insbesondere der Bahnhofsbereich, nicht vor Zerstörungen verschont. So wurden am 22. Februar 1945 kurz nach 13 Uhr der Bahnhof und die Stadt Sangerhausen sowie der Ort Wallhausen angegriffen. Ganze Weichenverbindungen waren mitsamt den Schwellen herausgerissen und weit über die Gleise geschleudert worden, so dass sie eine fast 8 Meter hohe Barrikade bildeten.

Am 7. April 1945 erfolgte ein weiterer, größerer Angriff auf den Bahnhof Sangerhausen, der in der Mittagsstunde besonders von Reisenden und speziell Flüchtlingen überfüllt war. Viele Menschen warteten auf den Bahnsteigen und im Wartesaal. Auf den Gleisen nördlich des Stationsgebäudes standen eine große Masse von Güterwagen, davon zwei lange Munitionszüge mit Signalmunition und nicht weit davon ein Verpflegungszug. Zwei Bomben fielen auf das Empfangsgebäude nieder und verwandelten es in einen Schutthaufen. Zwei Bombenreihen gingen auf die Gleise nieder und brachten die Munitionszüge zur Explosion. Als traurige Bilanz muss festgestellt werden, dass bei den Bombenangriffen insgesamt 63 Menschen ihr Leben lassen mussten. Sie sind in einer Gemeinschaftsgrabanlage auf dem Sangerhäuser Friedhof an der Neuen Weide beerdigt.

Lange mussten die Sangerhäuser auf die Wiedererrichtung ihres Bahnhofsgebäudes warten. In einer vielbeachteten Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1959 stellte der Architekt Martin Pietzsch (*16. Januar 1866 in Blasewitz bei Dresden; †5. Februar 1961 in Dresden) die zeichnerischen Entwürfe für den Bahnhofneubau vor. Als Baubeginn wurde das Jahr 1960 verkündet.

Der Bahnhofsneubau in Sangerhausen wurde am 7. Oktober 1963 unter großer öffentlicher Anteilnahme eingeweiht. Das als Denkmal verzeichnete geschichtlich, technisch-wirtschaftlich und städtebaulich bedeutsame Gebäude war der erste Bahnhofsneubau der DDR nach 1945.

Er ist ein Hauptwerk der Architektur der frühen 1960er Jahre, qualitätsvoll und ästhetisch im Erscheinungsbild und hervorragend integriert in das Stadtgefüge.

In seinem nahezu unveränderten Erhaltungszustand, welches durch die SWG derzeit saniert wird, zählt er zu den überregional bedeutenden Baudenkmalen. 

In Erinnerung an die geschichtlichen Höhepunkte rund um den Bahnhof in Sangerhausen, wurde am 09.07.2016 eine Gedenktafel am Gebäude feierlich enthüllt.

 

Dieser Beitrag wurde durch Helmut Loth vom Verein für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung e. V. im Mai 2016 zusammengestellt und bearbeitet. Die alten Fotoaufnahmen wurden vom Stadtarchiv/Spengler-Museum Sangerhausen zur Verfügung gestellt.