"Ladehebung" jährlich am 9. September

Hebung der "Bergmannslade"

Von der Planung bis zur Einweihung

Seit der politischen Wende hat sich unsere Stadt sehr verändert. Wer mit offenen Augen durch sie geht, dem entgehen diese Veränderungen nicht. Menschen haben die Stadt verlassen. Dem Wohnungsleerstand wurde und wird mit Rückbau begegnet. Wohngebiete werden lichter und grüner - Freiräume entstehen. Doch …

Was geschieht mit diesen Freiräumen?

Sie wollen genutzt werden! Das hat der damalige Mitbürger e. V. Sangerhausen, eine Initiative zur Entwicklung und Förderung ehrenamtlichen Engagements zum Wohl der Bürger, beschlossen. Mit seiner Projektidee „Kumpel-Platz“ hat er eine Antwort auf diese Frage gefunden und sich gemeinsam mit der Stadt Sangerhausen um Fördermittel beim Bund bemüht. Aus 300 Bewerbern wurden 19 ausgewählt - Sangerhausen war mit dabei. Die Entstehung von Kumpel-Plätzen in Sangerhausen konnte als ein Projekt des Forschungsprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bauamtes für Bauwesen und Raumordnung beginnen.  

Unter dem Motto „Freiraum… trifft Kunst… trifft bürgerschaftliches Engagement“, veranstaltete der Verein am 14.02.2007 das erste Bürgergespräch, um das Projekt vorzustellen und Unterstützer zu finden.  Eine ganze Reihe Bürgerinnen und Bürger (darunter auch ehemalige Bergleute) beteiligten sich daraufhin an der Umsetzung. Von der richtigen Standortwahl bis hin zu den Gestaltungsdetails wurde alles gemeinsam erarbeitet und beschlossen. Daher ist heute auch auf dem Platz ziemlich viel „Bergbau“ auf geschichtsträchtiger und künstlerisch anspruchsvoller Art vertreten.

Am 23.07.2007 führte ein Mitglied des Bergarbeitervereins den ersten Spatenstich für den Kumpel-Platz durch. Bereits am 30.10.2007 konnte er schon feierlich der öffentlichen Nutzung übergeben werden. Erstmals wurde an diesem Tag auch die auf dem Platz versenkbare Bergmannslade mit Dokumenten der Entstehung, einer Schriftrolle mit Ergebnissen der Bürgerarbeit sowie zahlreichen weiteren Beigaben als Zeitzeugen bestückt und in einem Schacht versenkt. Schmuckstück des Platzes ist eine riesige Sommerzeit-Sonnenuhr. Die Kugel an der Spitze des Stabes steht für den Kleinplaneten Sangerhausen, der unsere Sonne auf seiner Bahn zwischen Mars und Jupiter umkreist. Der Schatten des Planeten fällt genau am 9. September um 15:00 Uhr auf den Schachtdeckel der Bergmannslade im Zentrum des Platzes. Himmel und Erde sind so für einen kleinen Moment miteinander verbunden. Der 9. September wurde gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1951 die Produktion im Sangerhäuser Thomas-Münzer-Schach begann. Als Erinnerung an die jahrhundertelange Bergbautradition in der Region und auf Wunsch der Bürger, wurde der Grundriss des Stollensystems des einstigen Schachtes mit Pflastersteinen auf dem Platz abgebildet. Weitere Details, wie Konferenzröhren und Balancierseile, sind prägende Elemente des Platzes. Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen und Plaudern mit „Kumpeln“ ein.

Zu einem „Schirmtag“ rief der Mitbürger e. V. am 1. Mai 2008 auf und forderte auch gleich den Stadtrat zu einer Wette heraus. Denn dieser würde es nicht schaffen 74 Besuchern zum „Schirmtag“ auf den Platz zu locken. Doch die Wette gewann der Stadtrat und die Mitglieder des Vereins gestalteten eine fröhliche Aktion in einer sozialen Einrichtung der Stadt.

Ebenfalls im Jahr 2008 begann die SWG mit der Sanierung ihrer Gebäude in der Nachbarschaft zum Kumpel-Platz im Rahmen der Internationalen Bauaustellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 (IBA). Zur 2. Ladehebung 2009 wurden alle zukünftigen Mieter eingeladen, um sich und diese bergmännische Tradition kennenzulernen und einen ersten Blick in neu sanierte Wohnungen zu werfen.

Auf Initiative des Vereins Mansfelder Bergarbeiter Sangerhausen e. V. wurde mit Beschluss des Stadtrates der Teil der Friedrich-Engels-Straße am 1. Oktober 2009 in „Am Bergmann“ umbenannt, der sich rings um den Kumpel-Platz befindet. Zum IBA-Aktionstag-Bürgerfest am 19.06.2010 war das Wohnquartier „Am Bergmann“ der Hauptveranstaltungsort, wo am Abend die legendäre Beatband der 60iger Jahre „The Lords“ ihre Hits rockten.

Nach der Auflösung des Mitbürger e. V. fanden sich die bei der Planung und Erbauung des Platzes Beteiligten sowie weitere freiwillige Anwohner zu einer „Bürgergruppe Kumpel-Platz Am Bergmann“ zusammen. Diese organisierte am 9. September 2011 erstmals die Ladehebung. In den folgenden Jahren ließen sie sich immer wieder neue Aktionen für Groß und Klein einfallen. So können Kinder durch die vom Röhrigschacht Wettelrode bereitgestellte „Kriechstrecke“ als „Treckejunge“ krabbeln und einmal Bergmannfeeling live erleben. Auch benachbarte Kindertageseinrichtungen werden mit einbezogen und auch die Sangerhäuser Jugendfeuerwehr war schon so manches Mal mit ihrem „Löschhaus“ vor Ort. Außerdem gibt es auch jedes Jahr wieder ein Quiz mit Gewinnchancen. Die Preise dafür werden gern von den ansässigen Gewerbetreibenden gesponsert. Zu den kulinarischen Gaumenfreuden zählt vor allem der selbst gebackene Kuchen vom Verein Lebenshilfe. Aber auch „Kumpelplätzchen“ und „Steigerbrot“ wurden schon einmal vom ortansässigen Bäcker eigens für diesen Tag gebacken.

Die Bürgergruppe engagiert sich seitdem ehrenamtlich, damit die Bedeutung des Bergbaus für Sangerhausen und die Geschichte des Platzes nicht in Vergessenheit geraten. Für die Zukunft planen die Mitglieder noch weitere Projekte und arbeitet daher eng mit dem Verein für Geschichte und Umgebung von Sangerhausen e. V. sowie der SWG zusammen.

Gern sind auch neue Mitstreiter willkommen, die sich mit ihrem Engagement und Ideen einbringen möchten. Rufen Sie uns unter 03464 243429 an und wir vermitteln Ihnen den Kontakt.

Hier können Sie ein paar Impressionen in einem kurzen Film sehen.